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Kapitel 1

Der Himmel war grau in grau. Eine Mischung aus den verschiedensten Wolken, die in- und übereinander geschichtet ihr Bestes taten, um der Sonne kein Durchkommen zu ermöglichen, mit mehr oder weniger großem Erfolg. Auf den weiten Wieden der Täler grasten Schafe und hin und wieder war auch das ein oder andere Reh zu erblicken. Das Wasser der Flüsse glitzerte in den gelegentlich durchbrechenden Sonnenstrahlen. Manchmal sorgte spritzendes Wasser für kleine Regenbögen.
Ich genoss die so harmonisch und vollkommen friedlich wirkende Landschaft und nutzte sie gleichzeitig als Ablenkung von der teilweise eher instabil und nicht gerade allzu verlässlich wirkenden Absicherung der Fahrbahn, auf der sich unser Bus Stück für Stück seinen Weg zum Ziel unserer Reise bahnte.
Ich wusste immer noch nicht so recht, wie ich mich dazu hatte überreden lassen, diesen Trip mitzumachen. Irgendwann hielt mir meine Freundin diese Broschüre vor die Nase mit den Worten, dies wäre doch mal eine gelungene Abwechslung für unseren langweiligen und tristen Alltag. Ich persönlich hatte an meinem Alltag nicht wirklich etwas auszusetzen. Langweilig und trist könnte durchaus seine Vorzüge haben. Immerhin hatte man dann seine Ruhe, und ich bezweifelte, diese hier in nächster Zeit auch nur ansatzweise genießen zu können. Ich bin kein Mensch, der gerne unter vielen Leuten ist. Das gibt mir so ein seltsames Gefühl der Unterdrückung, dass ich meine Gedanken und Gefühle nicht so ausleben kann, wie ich es gerne wollte und tun würde, wenn ich allein wäre.
Dementsprechend war ich nicht wirklich interessiert an dieser Reise, auch wenn die Gegend, oder zumindest das, was in der Broschüre davon zu sehen war, durchaus interessant aussah. Dennoch hatte meine Freundin es irgendwie geschafft, mich zu überzeugen, sie zu begleiten. Es würde schon lustig werden.....
Ich blickte verträumt auf die Landschaft und folgte mit meinen Augen den vorüberziehenden Bäumen.

„Runa?"
Ja, das war sie, die Ursache für meine jetzige Situation: meine Freundin Kari. Eigentlich hieß sie gar nicht Kari, sondern Katharina, aber der Name war einfach viel zu lang und ich hielt nicht viel von den üblichen Abkürzungen wie Kata, Kathi oder weiß der Geier, was für Kitsch man sich noch alles einfallen ließ. Ich bevorzugte es, den Dingen eine leicht japanische Note zu geben. Da kam ich wohl ganz nach meinen Eltern.
„Hey Runa! Lebst du noch?!"
Ich sah auf. Kari blickte mir mit einem verdutzten Gesicht tief in die Augen.
„Au mann, bist du immer noch eingeschnappt, weil ich dich mit hier hergeschleppt hab?", fragte sie ungläubig, „Jetzt glaub mir doch mal, so schlimm wird's wohl kaum werden."
„Ja ja, schon klar", entgegnete ich genervt, „Aber im Moment hätt' ich einfach gern mal meine Ruhe. Dieser Lärm hier ist doch echt nicht mehr auszuhalten!"

„Ihr seid so erbärmlich und dumm!", schrie es plötzlich aus dem hinteren Ende des Busses, „Warum seht ihr es nicht endlich ein, dass ihr gegen mich immer den Kürzeren zieht? Aber wer nicht hören kann, muss wohl tatsächlich leiden. Ich hoffe es tut weh und du hast noch lange was davon, du hast es verdient."
Was zum Teufel war denn jetzt schon wieder los? Sowieso schon absolut genervt stöhnte ich auf und drehte mich um in die Richtung, aus der die Stimmen kamen. Dort waren einige Jungs auf der anderen Seite etwas weiter hinten im Bus und lieferten sich ein heftiges Wortgefecht, mit dem sie so ziemlich der Mittelpunkt des Busses waren, denn sie hatten die Aufmerksamkeit vieler Jugendlicher im Bus auf sich gezogen. Dass noch keine Aufsicht in Sichtweite war, grenze an ein Wunder.
„Hört auf zu grinsen... oder... ich verliere die Nerven, ich vergesse mich, das schwöre ich euch!", gab einer von ihnen, ein rothaariger Junge, der von seinem Platz am Fenster aufgestanden war und sich den Jungs in der Reihe hinter sich zugewandt hatte, lautstark von sich und ich erkannte sofort, dass er es ebenfalls war, der zuvor den halben Bus zusammengebrüllt hatte. Warum mussten manche Menschen immer und überall alle Aufmerksamkeit auf sich ziehen?
„Das kann doch echt nicht wahr sein!", dachte ich laut, mit noch genervterem Tonfall, „Kann man nicht wenigstens einmal seine verdammte Ruhe haben?!"
Kari kicherte nur. „Jetzt reg dich nicht gleich immer so auf."
„Ich hab jetzt schon keine Lust mehr...", murmelte ich und blickte noch einmal zu den Jungs hinüber, wobei ich bemerkte, dass der rothaarige Junge eine Weile zu uns herüber zu starren schien. Für eine Sekunde fragte ich mich, ob da in seinen Augen eben ein Funke von Verständnis zu sehen war.

Ich drehte mich wieder um und versuchte, den Lärm einfach zu ignorieren. Somit wandte ich mich erneut der Landschaft zu. Bald wurde es dann auch wieder etwas stiller im Bus und ich konnte ein wenig entspannen. Die Landschaft veränderte sich mehr und mehr in eine reine Graslandschaft mit vereinzelten Bäumen hier und dort, die vom Wetter und ihrem ungeschützten Standort bereits sehr mitgenommen waren.
Plötzlich wurde meine Sicht durch einen Fleck auf der Scheibe beeinträchtigt. Es war ein Regentropfen. Und es dauerte nicht lang, bis ihm weitere Tropfen folgten und die bis eben noch klare Landschaft langsam vor meinen Augen verschwamm.
Ich schraubte jegliche Wahrnehmungen des Geschehens im Bus fast vollständig zurück und begann bei dem Blick durch die verschwommene, schmierige Fensterscheibe zu träumen und stellte mir vor, ich wäre ganz allein in diesem Bus.
Wie lange auch immer ich so verharrte, ich wurde jäh aus meinen Träumen gerissen, als ich plötzlich direkt vor mir einen schwarzen Schatten von außen an der Fensterscheibe sah. Doch so unerwartet und schnell wie er aufgetaucht war, verschwand er auch wieder. Verwirrt drehte ich mich entlang der Fensterscheibe nach hinten, doch es war mir unmöglich, auch nur irgendetwas durch die verschwommenen Scheiben zu erkennen. Wahrscheinlich war es doch nur Einbildung.
Ich blickte hinüber zu Kari. Sie war inzwischen tatsächlich eingeschlafen. Ich verspürte den Drang, einen Blick durch den Bus zu werfen, aber irgendetwas hielt mich davon ab, mich umzudrehen, also ließ ich es bleiben und versuchte ebenfalls zu schlafen.
:iconburninnightmare:

Author's Comments

Kapitel 1 - Runa's Sichtweise

Dies ist der erste Teil von =MariahAcorn's und meiner Story.
Es geht in die Rubrik Fantasy/Horror, auch wenn davon zu Beginn nicht viel zu sehen sein wird.
Etwas besonderes, was diese Story ausmacht, ist, dass sie aus zwei Perspektiven geschrieben ist: Der Perspektive des eher zynischen Mädchens Runa und der Perspektive des leicht größenwahnsinnigen Leo.
Beide sind Teil eines Sommer-Jugendausflugs für Schüler von um die 16 Jahren. Das Ziel ist ein großes, fast schlossartiges Anwesen, das etwas sehr mysteriöses und unheimliches an sich hat.
Was wird die beiden wohl noch dort drin erwarten?

Die Story haben wir vor einigen Monaten kurz vor den Sommerferien angefangen und über die Sommerferien den allgemeinen Verlauf weiter ausgefeilt.
Maria wollte eine komplett unabhängige Gechichte schreiben und hatte mich gefragt, ob ich Interesse daran hätte, zusammen mit ihr eine eigene Geschichte auszuarbeiten, wobei die Grundidee für die Handlung von mir kam.

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This is the first part of my and =MariahAcorn's story.
It's meant to belong into the Fantasy/Horror category, although you won't be able to notice much of it in the beginning.
Something special about this story is that it's written out of two perspectives: The perspective of the rather cynical girl Runa and the perspective of the slightly megalomaniac boy Leo.
They're both part of a summer holiday trip organized for students of the age of about 16. The destination is a a big, almost castle-like estate which has something very mysterious and creepy about it.
What will be awaiting the two in there?

We started working on this story several months ago before the summer vacations and worked out the general storyline during the vacations.
Maria wanted to create a completely independent story and asked me, if I was interested in working out a story together with her, and I came up with the basic idea for the storyline.


Runa © :iconmariahacorn:
Leo © :iconburninnightmare:
Story © :iconmariahacorn::iconburninnightmare:

Critiques


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Comments


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:iconstarfirec13:
:la: So great! Nice job you guys!

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November 4
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